Klar willst du, dass dein Kind selbstbewusst durchs Leben geht. Aber was, wenn es nicht „von Haus aus“ ein großes Selbstbewusstsein mitbringt? Kann man daran was ändern? Kann man! Hier nenne ich dir 4 typische Fehler, die uns im Alltag als Eltern schnell passieren – und wie du es besser machen kannst. Und ich nenne dir 3 einfache Übungen, die deinem Kind helfen werden.

Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen & Selbstbewusstsein

Was ist das eigentlich: Selbstwert? Dabei geht es darum zu fühlen und zu spüren, dass ich etwas wert bin. Vielen Kindern wird das in der Schule genommen. Dort wird mehr auf die Fehler geachtet, als auf das, was das Kind gut kann – und es empfindet sich zunehmend weniger wertvoll. Genau das müssen wir ihm wiedergeben! Wir sollten unserem Kind beibringen, dass es sich selbst wertschätzen und anerkennen darf, damit es wieder an sich glaubt.  Damit steigt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und somit auch das Selbstbewusstsein.

Angst ist wichtig und gehört dazu

Es geht hier nicht darum, aus einem schüchternen Kind eine „Rampensau“ zu machen. Angst ist grundsätzlich wichtig und gehört zum Entwicklungsprozess dazu. Angst schützt uns in manch gefährlichen Situationen. Es gibt aber auch Ängste, die hinderlich sind: etwa Angst vor einem Lehrer, Mitschüler, einem Fach oder vor schlechten Noten. Sie können aus dem Weg geräumt werden.

Diese 4 Fehler solltest du im Alltag vermeiden, wenn du das Selbstbewusstsein deines Kindes stärken willst

Oft verhalten wir uns unbewusst immer wieder gleich – weil wir es so gelernt haben, weil es uns gar nicht bewusst ist und wir im hektischen Alltag nicht reflektieren. Sicherlich willst auch du nur das Beste für dein Kind – also schau einfach mal, ob der ein oder andere Punkt der folgenden Fehler (in Teilen) auf dich zutrifft. Du erkennst dich in einem Punkt wieder? Dann mach dir keine Vorwürfe – es geht vielen anderen Eltern ganz genau so! Und nur durch das Erkennen hast du die Möglichkeit, etwas zu verändern und damit deinem Kind zu helfen.

Kinder brauchen Eltern, die an sie glauben

Fehler 1: Ihr seid euch als Eltern nicht einig

In meiner Coachingpraxis treffe ich oft auf Familien, in denen sich die Eltern nicht einig sein. Das ist bei vielen Themen auch gar nicht schlimm – aber in grundsätzlichen Erziehungsfragen ist Einigung natürlich hilfreich. Ich höre das dann meist durch die Kinder: Häufig sind sie sich total unsicher, weil Papa immer X, Mama aber Y sagt. Das Kind weiß: Egal, was es tut, einem der beiden Eltern wird es etwas „nicht Recht“ machen können.

Was ich dir raten würde
Nehmt euch als Eltern gemeinsam Zeit, geht schön Essen, genießt den Abend und tauscht euch darüber aus, wie ihr die Situation seht und wie ihr eurem Kind gemeinsam helfen könnt. Das könnten Themen sein:

  • Welche Entscheidungen treffen die Eltern, welche das Kind?
  • Wem fällt was leichter?
  • Wer übernimmt im Alltag und in der Erziehung welche Aufgabe?

Und wenn ihr euch dann trotzdem mal uneins seid: Es ist nicht schlimm, wenn ihr dem Kind gegenüber äußert, dass ihr erst zusammen über etwas sprechen wollt, um euch abzustimmen. Im Gegenteil: Das gibt dem Kind Sicherheit!

Beantwortet auch diese Fragen:

  • Habt ihr beide die gleiche Vorstellung von Erziehung?
  • Zieht ihr wirklich an einem Strang?
  • Habt ihr das gleiche Ziel?
  • Wie kommuniziert ihr mit dem Kind?
  • Wie kommuniziert ihr untereinander?

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Fehler 2: Du neigst eher dazu Monologe zu halten

Das kennst du bestimmt: Du weißt genau, was für dein Kind gut wäre, sagst es ihm – und redest dich um Kopf und Kragen, weil du es überzeugen willst.

Du hältst also einen Monolog. Das ist gut gemeint, du hast dir Gedanken gemacht, hast eine Idee, und gute Gründe dafür, warum sie für dein Kind richtig klasse ist.

Aber versetz dich mal in die Situation deines Kindes: Wie würdest du dich fühlen, wenn man dir sagt, was für dich gut ist und du nicht mitreden und mitentscheiden könntest?

Wahrscheinlich so: machtlos.

Diese Art der Kommunikation funktioniert nie. Auch in diesem Artikel kann ich dir nur Ideen mitgeben – ich kenne dich nicht und nicht alle Ideen sind für alle Familien gut und richtig. Aufnehmen, entscheiden, anpassen und anwenden musst du sie.

Vielleicht gehörst Du auch zu den Eltern, die Ihr Kind immer wieder motivieren, dass es das übt, was es nicht so gut kann? Du redest und redest, versuchst zu überzeugen, im Guten, mit Strenge, geduldig, manchmal genervt – das machen wir Eltern aus Sorge um unser Kind. Schließlich soll es in der Schule gut mitkommen! Denn ist das nicht die beste Basis für das weitere Leben?

Was wir damit aber auch tun: Wir zeigen unserem Kind, was es NICHT kann, oder nicht so gut kann. Wir machen immer wieder auf das Defizit aufmerksam – und verstärken es so.

Kinder brauchen das nicht! Sie wissen sehr gut, was sie nicht so gut können.

Was ich dir raten würde
Wenn du das nächste mal eine genaue Vorstellung davon hast, was für dein Kind gut wäre: Frag dein doch einfach mal dein Kind, ob du ihm diese vorstellen darfst: „Darf ich dir davon mal erzählen, oder hast du selbst eine Idee, was du gerne machen möchtest?“ Schon seid ihr in einem Austausch – und wer weiß, was sich daraus Tolles entwickelt…

Richte Deinen Blick immer auf das Positive.

Fehler 3: Es fällt dir schwer Verantwortung, an dein Kind abzugeben

Dein Kind hat durch seine Unsicherheit viele Probleme (z.B. in der Schule) – und deshalb möchtest du ihm so viele „Bürden“ wie möglich abnehmen?

Davon würde ich dir abraten. Denn nur durch das eigene Tun lernt dein Kind dazu und kann so Selbstsicherheit aufbauen. Ich habe schon Kinder erlebt, die geweint haben, weil sie denken, dass ihre Mutter ihnen nicht vertraut – das würden sie ihr aber nie selbst sagen, weil sie die Mama ja nicht verletzen wollen.

Kinder wollen selbst Verantwortung übernehmen und spüren: Meine Eltern vertrauen mir, dass ich das schaffe.

Was ich dir raten würde
In kleinen Schritte – entsprechend dem Alter deines Kindes – solltest du Verantwortung abgeben. Lass dein Kind (mit) entscheiden.

Ein Beispiel: Ein 3 jähriger kann nicht alleine entscheiden, welche Schuhe er anziehen soll. Wenn du ihm aber die Wahl zwischen festen Schuhe und Gummistiefel lässt, hat er die richtigen Schuhe im Regen an und läuft nicht mit Sandalen raus. Ein 15 Jähriger dagegen sollte selbst entscheiden und muss die Konsequenz „fühlen“, wenn er wasserdurchlässige Schuhe im Regen anzieht (und dann nasse Füße hat).

Fehler 4: Wie du deinem Kind „Selbstbewusstsein“ vorlebst

Hier kann es zwei Extreme geben:

Extrem 1:
Dir geht es genau wie deinem Kind, weil du weißt, wie blöd das ist, wenn man sich etwas nicht traut – deine Mutter hat die gleichen Sätze in der Schule gehört, wie du jetzt über dein Kind. So etwas, wie „Sie könnte mehr aus sich herauskommen.“, „Er traut sich gar nicht, mündlich mitzuarbeiten.“ Somit weißt du genau, wie es deinem Kind geht – und du möchtest deinem Kind diese Erfahrungen ersparen.

Extrem 2:
Du bist sehr selbstsicher, weißt, was du willst und setzt dich dafür ein. Somit kannst du dein unsicheres Kind vielleicht gar nicht verstehen, weil es dir nie so erging. Vom Verstand her vielleicht schon – aber nachvollziehen kannst du es nicht. Dir fällt es vielleicht schwer zu akzeptieren, dass dein Kind anders ist.

Was ich dir raten würde
Im 1. Fall kannst du dein Kind zwar bestärken, dass du es verstehst und dich reinfühlen – aber letztendlich hilft ihm das auch nicht weiter. Überleg einmal, was du dir als Kind von deiner Mutter (oder deinem Vater) gewünscht hättest. Welche Sätze hättest du gern gehört? Was hätte sich toll angefühlt?

Gehörst du zur zweiten Gruppe, so kann dein Selbstbewusstsein auf dein Kind eher erdrückend und einschüchternd wirken. Frag dein Kind, was es sich von dir wünscht, wie du ihm helfen kannst – und vertraue ihm.

Kinder brauchen Eltern, die ihnen vertrauen

Wofür ist Dein Kind der Experte?

Jedes Kind ist ein Experte. Zugegeben, nicht immer für das, was in der Schule verlangt wird. Umso wichtiger ist es, herauszufinden, wofür dein Kind ein Experte ist – damit es nicht nur über die Schule definiert wird. Vielleicht fällt dir sofort etwas ein? Super, dann schreib es gerne auf! Ansonsten beobachte dein Kind.

  • Wofür interessiert es sich besonders?
  • Was macht es neugierig?
  • Zu welchen Themen stellt es ständig Fragen?
  • In welchen Situationen ist es „ein Experte“?
  • Wann hat Dein Kind dich überrascht und womit?
  • Welche Fähigkeiten schätzt du an deinem Kind?

Lege dir eine Liste an, die Du ständig ergänzen kannst. Bewerte nicht, sondern beobachte.

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Danach kannst du diese Schlüsselübungen anwenden, mit denen du das Selbstbewusstsein deines Kindes sofort stärkst

#1 - Gestaltet ein Plakat mit allen Stärken

Kauf eine Pappe in der Lieblingsfarbe deines Kindes und nehmt euch gemeinsam Zeit. Auf das Plakat schreibt ihr alles auf, was euch an Stärken und Talenten einfällt.


Frag dabei zuerst dein Kind: „Was kannst du richtig gut? Woran hast du Spaß? Worauf bist du stolz?“


Vielleicht musst du etwas Geduld haben – ich habe die Erfahrung gemacht, dass manchen Kindern erst einmal gar nichts einfällt. Hab Geduld, stelle Fragen und bring deine eigenen Gedanken mit ein. Dieses Plakat kann sich ständig weiter entwickeln: Immer dann, wenn euch etwas Neues einfällt, schreibt ihr es auf.


Hängt es so auf, dass dein Kind täglich darauf schauen und nachlesen kann.

#2 - Nimm eine der Stärken deines Kindes und überlege, wie du diese fördern kannst

Sprich mit deinem Kind über eine der Stärken und frag es, was es davon hält, ob es diese Sache gerne macht und was es braucht, damit es diese Sache umsetzt.


Vielleicht kann dein Kind extrem gut malen oder hat einfach unendlich Spaß dabei – und du bietest ihm an, einen tollen Kurs zu besuchen. Deinem Kind könnte die Idee zu malen und neue Techniken zu lernen vielleicht gefallen, aber es hat gleichzeitig Bedenken, weil es sich nicht traut, alleine in den Kurs zu gehen, wo es niemanden kennt. Versuche solche Bedenken herauszufinden – und dann sucht gemeinsam nach einer möglichen Lösung.


Das kannst du natürlich auch mit weiteren Stärken machen – aber bitte nicht alles auf einmal!

#3 - Ernenne dein Kind zum „Chef des Tages“

Ernenne dein Kind mal zum „Chef des Tages“ – und übergib ihm die Verantwortung: Es darf bestimmen, was gemacht wird, darf Entscheidungen treffen, Aufgaben an alle anderen Familienmitglieder verteilen. Für uns Eltern können solche Tage durchaus eine Herausforderung sein – aber trotzdem: Wir können das aushalten und die Führung mal abgeben!

Natürlich geht das nicht bei allen Altersgruppen. Du solltest dein Kind zwar herausfordern, aber nicht überfordern – aber das kann ja vorher besprochen werden.

Denk auch an die Geschwisterkinder – auch die dürfen natürlich mal „Chef des Tages“ sein. Oder vielleicht reichen auch ein paar Stunden?

Das solltest DU täglich tun

  1. Schreib dir jeden Abend auf, worauf du bei deinem Kind stolz bist – welchen kleinen Fortschritt hast du heute beobachtet?
  2. Übergib eine (kleine) Aufgabe an dein Kind, wofür es die Verantwortung übernehmen kann.
  3. Glaub an dein Kind, es ist gut so, wie es gerade ist und das wertvollste Geschenk, das du hast!

Meine Empfehlung für deine nächsten Schritte

  1. Suche dir eine der Schlüsselübungen heraus und führe sie durch

  2. Schreibe dir jeden Tag auf, worauf du auf dein Kind stolz bist

  3. Erforsche, ob es eine Person oder Situation (in der Schule) gibt, die dein Kind stresst und hole dir ggf. von einem Kindercoach Hilfe - gerne natürlich von mir 🙂

  4. Trage dich gerne hier ein, und abonniere meinen Newsletter rund um ein Familienleben OHNE Schulstress

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Silke Karsten

Mutter, Coach, Trainerin

Silke Karsten hat sich auf das Coaching von Familien spezialisiert, bei denen das Thema Schule den Alltag dominiert. Sie bietet gerade bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten alternative Möglichkeiten an, die den Kindern langfristig helfen und die sie mit ihren eigenen Kindern umgesetzt hat.
Sie lebt mit ihrer Familie in Bonn, liebt das Reisen - besonders nach Südafrika - und genießt gerne das Leben.